Programm 2022

Freitag 26. August

12:30
Begrüßung CCnetwork
Videogruß von Vanessa Nakate

„PASS THE MIC!“ REVERSING THE GAZE

Die Klimaaktivistin Vanessa Nakate aus Uganda fordert schon lange, dass die Mikros weiter gegeben werden, an Klimaaktivist:innen aus dem Süden. Wir tun dies und sind gespannt, wie sich die Perspektiven verändern.

Mit Vanessa Nakate/ Uganda (Video), Martin Zähringer/ CCnetwork berlin

13:00
GREEN NEW DEAL
Auf dem Weg zu einer neuen Klimakultur?

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Der Green New Deal ist eines der wenigen politischen Programme, die eine konkrete Perspektive für die Zeit nach dem fossilen Kapitalismus aufzeigen: Ein umfassendes staatliches Projekt soll gleichzeitig die Klimakrise und die soziale Ungleichheit bekämpfen. Welche kulturelle Dimension muss der Green New Deal enthalten, um ihn zum globalen Motor einer gerechteren Zukunft zu machen?

Mit Ann Pettifor/ England, Awande Buthelezi/ Südafrika, Juliane Schumacher/ Berlin

14:30
CLIMATE CULTURES IN JAMAICA I
Vom Plantagenozän zum Widerstand

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Esther Figueroa und Imani Tafari-Ama erörtern Ursachen der Klimakrise, bei denen Jamaika eine zentrale Rolle spielt, wie z. B. Plantagenkapitalismus/ plantagenocene, Tourismus und Rohstoffindustrie. In ihren Arbeiten und im Gespräch demonstrieren sie Auswirkungen des Klimawandels, den Anstieg des Meeresspiegels, extreme Wetterereignisse, unvorhersehbare Jahreszeiten, Wasser- und Nahrungsmittelknappheit aber auch aktive Haltungen der kollektiven Resilienz.

Mit Esther Figueroa/ Jamaika, Imani Tafari-Ama/ Jamaika

16:00
CLIMATE CULTURES IN JAMAICA II
Vom Überleben zur Livity

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Kurzfilm: „Plastik, Umweltverschmutzung und Überlebensstrategien“ die Regiesseurin Imani Tafari-Ama im Gespräch mit Esther Figueroa

Die Rastafari-Bewegung schuf eine eigene Weltanschauung (Livity) als dekolonialen Gegendiskurs zu eurozentrischen Normen, Institutionen und Perspektiven (Babylon). Imani Tafari-Ama befasst sich in ihrem Film über Plastik mit jamaikanischen Strategien des Überlebens trotz babylonischem Müll und diskutiert mit Esther Figueroa über Ernährungssicherheit und Reproduktionsbeziehungen in einer nachhaltigen Klimazukunft. Wie funktioniert die Verbindung von spirituellen mit materiellen Ansätzen für ein ganzheitliches Leben.

Mit Imani Tafari-Ama/ Jamaika, Esther Figueroa/ Jamaika

18:00
„ECHOS“ - Gespräch
Kunst aus Rabat

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Als Seismographen der Gesellschaft zeigen Künstler:innen durch ihre Vision, ihren Diskurs und ihre Arbeit Missstände auf, entwickeln neue Formen und Denkmöglichkeiten, rütteln auf und schärfen so gesellschaftliches Bewusstsein. Doch kann zivilgesellschaftliches Engagement mittels Kunst und überliefertem Know-how einen Wandel, eine tiefgreifende soziale, gendergerechte und ökologische Transformation – wie es der Green New Deal fordert – erreichen oder auch nur dabei mitwirken?

Kooperation Heinrich-Böll-Stiftung + Le Cube

Mit Fatim-Zahra Benhamza/ Marokko, Younes Ben Slimane/ Tunesien, Adesokan Adedayo/ Nigeria, Hicham Houdaifa/ Marokko, Elisabeth Piskernik/ Marokko/ Österreich

19:30
„ECHOS“ - Vernissage
Kunstausstellung aus Rabat

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"ECHOS" ist vom 26. - 28. August frei zugänglich

Anhaltende Dürreperioden, Wasserknappheit und immer mehr Naturkatastrophen – diese Auswirkungen des Klimawandels erleben sowohl Europa als auch (nord-)afrikanische Länder. In der Ausstellung ECHOS setzen sich Künstler:innen aus Marokko, Nigeria und Tunesien mit Umweltproblemen in ihrem Kontext, deren Ursachen, den Konsequenzen und der Rolle des Menschen in diesem globalisierten Netz auseinander und zeigen, wie Menschen in diesen Ländern die Herausforderungen erleben.

Kooperation Heinrich-Böll-Stiftung + Le Cube

Mit Werken von Aàdesokan Adedayo/ Nigeria, Younes Ben Slimane/ Tunesien, Fatim Benhamza/ Marokko, Mohamedali Ltaief/ Tunesien, Amine Oulmakki/ Marokko

21:00
CLIMATE CULTURES IN JAMAICA III
FILM „Fly Me to the Moon“

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Fly Me to the Moon, 2019, Film mit Q&A

„Fly Me to the Moon“, ist ein Dokumentarfilm von Esther Figueroa, der uns auf eine Reise mitnimmt, die uns zeigt, auf welch unerwartete Weise wir alle auf dem Planeten Erde miteinander verbunden sind: Er folgt dem Aluminium - dem Metall der Moderne. Um die Welt und in den Weltraum, über hundert Jahre und an so weit voneinander entfernte Orte wie den Mond, Jamaika, Indien, Surinam, Kanada, Kuba, Japan, Ungarn, Island, Australien, Vietnam und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Q&A Esther Figueroa/ Jamaika, Tobias Gralke/ Berlin

Samstag 27. August

12:30
KLIMA UND KLANG I
Klanglandschaften, Klimabewußtsein, Neuland

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Die Klanglandschaften Mühlenbeck sind ein neues Musikfestival nördlich von Berlin, das im Juni 2022 zum dritten Mal durchgeführt wurde und explizit auf das Klimathema bezogen war. Gisela Nauck will diskutieren, wie die Neue Musik sich im Kontext der Klimakulturen erneuern kann. Ein ökoästhetisches Beispiel ist Kirsten Reeses Klanginstallation mit Insekten aus dem Tierstimmenarchiv des Museums für Naturkunde Berlin, die aus der Gegend stammen und zum Teil elektronisch verwandelt wurden. Auf einer Wiese in Mühlenbeck wurden sie mit den echten Stimmen ihrer Nachkommen rekombiniert. Sofern es diese Arten noch gibt.

Mit Gisela Nauck/ Berlin, Kirsten Reese/ Berlin, Martin Zähringer/ Berlin

14:00
KLIMA UND KLANG II
„Soundatlas“

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Während die Mühlenbecker Klanglandschaften musikalisch eine neue Verbindung von Klang-Kultur und Klang-Natur erkunden, ist der „Soundatlas“ von Michaela Vieser und Isaac Yuen eine schriftliche Annäherung an die Phänomene des Klangs. Die Autor:innen kommen aus dem Kontext Nature Writing und beschreiben und präsentieren sowohl seltene Klänge als auch eine neue Aufmerksamkeit gegenüber dem Klangraum der Natur. Im Zeichen des Artensterbens und der Bedrohung durch das Klima verändert sich auch die Welt des zu Hörenden.

Mit Michaela Vieser/ Berlin, Isaac Yuen/ Kanada/ Berlin, Petra Ahne/ FAZ

15:30
AFROFUTURISMUS
Junge Literatur: Widerständigkeit und Klimakrise

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Eine Klimakrisenkultur der Ränder zeigt sich uns mit der nigerianisch afrofuturischen und afrospekulativen Literatur: In der Zukunft, in der die Klimakrise eingedämmt ist, aber Nigeria unter einer fortgesetzten quasi-kolonialistischen Ausbeutung seiner Natur zu leiden hat – irgendwoher müssen die Rohstoffe zur Produktion von Solaranlagen und Windkraftanlagen ja kommen. In der Gegenwart als literarische Verarbeitung der vielen schweren Überschwemmungen, die Lagos in den letzten Jahren erlebt hat. Literarische Gegenblicke auf die dominante, scheinbar universale Klimakrisenkultur des globalen Nordens.

Mit Chinelo Onwualu/ Nigeria-Kanada (zugeschaltet), Osahon Ize-Iyamu/ Nigeria-USA-England, Simon Probst/ Berlin

17:30
DEEP JUST TRANSITION
Klimagerechtigkeit und Zukunft in Südafrika

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In weiten Teilen Südafrikas herrscht seit Jahren eine schwere Dürre, im April 2022 starben bei Überschwemmungen in der Hafenstadt Durban mehrere hundert Menschen. Folgen des Klimawandels, die den Globalen Süden besonders hart treffen - und dort besonders jene, die ohnehin benachteiligt sind. Zugleich ist Südafrika eine regionale Wirtschaftsmacht. Die staatliche Energieversorgung - zu über 90 Prozent aus Kohle - soll nun mit 8,5 Milliarden US-Dollar aus dem Norden klimafreundlich umgebaut werden. Südafrika hat aber auch eine der aktivisten Bewegungen für Klimagerechtigkeit, etwa die Climate Justice Charter, die sich in der Tradition des Kampfes gegen die Apartheid sieht.

Mit Awande Buthelezi/ Südafrika, Ndivile Mokoena/ Südafrika (zugeschaltet), Juliane Schumacher/ Berlin

19:00
KLIMAKUNST UND KRIEG
Utopie und Repression in Zeiten des Krieges

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Auf diesem Panel werden 10 kurze Videoarbeiten von jungen russischen Künstler:innen und Aktivist:innen gezeigt, die im Sommer 2022 entstanden sind und das Verhältnis von Klima und Krieg im Land und aus dem Exil heraus reflektieren. Eingerahmt werden die Arbeiten von einem Gespräch zu künstlerischen Antikriegspositionen sowie der Rolle von Klima-Aktivismus in russischen Regionen.

Kooperation EU-Russia Civil Society Forum e.V.

Mit Angelina Davydova/ St. Petersburg/ Berlin, anonyme Künstler:innen aus Russland

21:00
CLIMATE CULTURES IN TAIWAN
FILM „Taiwan from Above“

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Taiwan from Above, 2013, Film mit Einführung

„Beyond Beauty: Taiwan from Above“ zeigt zum ersten Mal in der Filmgeschichte Taiwans die Insel von oben, die Schönheit von Gipfeln und Zedern im Nebelmeer, von gewunden-schroffen Küsten und umtriebigen Städten. Bis der Blick immer schärfer wird, und der Einfluss der Menschen auf die Natur, die Verstädterung, die Industrialisierung kurz: das ganze Ausmaß der Umweltzerstörungen in einer dramatisch-bizarren Ästhetik zutiefst verstört.

Einführung: Tobias Gralke/ Berlin

Sonntag 28. August

12:30
CLIMATE WRITING IN TAIWAN I
„Wolken über Taiwan“

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Alice Grünfelder publizierte Bücher aus und über Tibet, einen Roman über das uigurische Xinjiang und war Lektorin der Türkischen Bibliothek beim Unionsverlag. Alice Grünfelders vielbesprochenes Buch „Wolken über Taiwan“, das kürzlich erschienen ist, versammelt Notizen und Überlegungen, Reportagen und essayistische Miniaturen aus Taiwan. Im Kontext der Climate Cultures interessieren uns besonders ihre Innenansichten aus einer prekären Klimazone.

Mit Alice Grünfelder/ Schweiz, Martin Zähringer/ Berlin

13:15
CLIMATE WRITING IN TAIWAN II
„Zwei Bäume machen einen Wald“

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Jessica Lee will verstehen, welche Erschütterungen ihre Familie erst von China nach Taiwan (und schließlich nach Kanada) führten, und so spürt sie auf der Insel mit ihren hohen Bergen, dem offenen Tiefland und den dicht bewachsenen Wäldern der Migrationsgeschichte ihrer Vorfahren nach. Alice Grünfelder diskutiert mit Jessica Lee über ästhetisch-literarische Balanceakte zwischen subjektiver Selbsterkundung und geografischer Beschreibung.

Mit Jessica Lee/ Taiwan/ Canada/ England, Alice Grünfelder/ Schweiz

14:30
CLIMATE WRITING IN TAIWAN III
„Der Mann mit den Facettenaugen“

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DEUTSCHE BUCHPREMIERE

Mit Wu Ming-Yi kommt ein neuer Stil in das Global Writing: Visionäre Phantastik im Klimakollaps, subjektive Entfremdung und harter Ökorealismus, individuelle Trauer und ökokritischer Gegenangriff. Der Plot: Ein Zweitgeborener aus einer ursprünglichen Inselgesellschaft wird traditionsgemäß aufs Meer verstoßen, landet auf einem riesigen Plastikstrudel und recycelt aus dem Müll seine eigene Zivilisation. Und so hebt ein literarischer Tsunami an, der tief in den universalen ökologischen Belangen und aktuellen Fragen indigener Identität begründet ist.

Mit Wu Ming-Yi/ Taiwan, Johannes Fiederling/ Taiwan/ Deutschland, Alice Grünfelder/ Schweiz

16:30
POSTWACHSTUMSÖKONOMIE
Was kommt nach Konsum und Müll?

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Die Umweltbewegungen der 1980s Jahre stellten noch die Systemfrage: Öko oder Wachstum? In den 1990er kam das Konzept nachhaltiger Entwicklung auf: "Grünes Wachstum" hilft Wirtschaft, Ökologie und Sozialem gleichermaßen. Aber was heißt das konkret? Fossiler Individualverkehr wird durch elektrischen ersetzt, statt Öl werden Litihum und andere Rohstoffe zur Batterieproduktion importiert, die gesundheitlichen, ökologischen und sozialen Kosten weiterhin auf die Ärmeren und den Globalen Süden abgewälzt. Welche Alternativen gibt es zum grünen Wachstum?

Mit Niko Paech/ Deutschland, Friederike Habermann/ Deutschland, Florian Schlederer/ Österreich, Juliane Schumacher/ Berlin

18:00
CLIMATE CULTURES made in Germany I
Alarmstufe 3 - Der Alptraum wird wahr

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Smog, 1973, Film mit Diskussionspanel

Das hochgelobte Dokudrama „Smog“ in der Regie von Wolfgang Petersen aus den 1970er Jahren ist ein Meisterwerk der TV-Dramaturgie und aus heutiger Sicht ein historischer Meilenstein der Petro-Kritik. Es ist die filmische Inszenierung radikal durchexerzierter Männermacht am Rand des Abgrunds. Darin erscheint unmaskiert das Motiv einer hegemonialen Petro-Männlichkeit (petromasculinity), wie es in feministischer Perspektive diskutiert wird. „Smog“ ist die maskuline Urszene des Autowahns.

Katja Diehl/ Deutschland, Kilian Jörg/ Österreich/ Berlin, Tobias Gralke/ Berlin

20:30
CLIMATE CULTURES made in Germany II
Dieselgate

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#dieselgate, 2021, Film mit Diskussionspanel

Johan von Mirbachs Dokumentarfilm #dieselgate schildert eine korrumpierte Männergesellschaft in der deutschen Autoindustrie, die weder den Betrug aufklären will noch ein Schuldbewusstsein kennt. Es gibt zwar Opfer, aber keine Täter, Verantwortung wird nach unten verschoben und als Problem überambitionierter Ingenieure dargestellt. Das Vertrauen in die Elite der Autoindustrie ist schwer erschüttert, aber ist das "System Auto" im Geringsten ins Schleudern geraten? Sind wir gar einer Verkehrswende nähergekommen? Was kann Aktivismus von unten erreichen, wenn das klimatische Subjekt made in Germany immer noch das "Auto" ist?

Johan von Mirbach/ Deutschland, Winfried Wolf/ Berlin, Anna Baatz/ "Berlin autofrei", Tobias Gralke/ Berlin

22:15
ROUND UP CLIMATE CULTURES 2022

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Bei der abschließenden Diskussion geht es um eine Bestandsaufnahme der Gegenblicke, die möglich werden, wenn die eigenkulturellen „Selbstverständlichkeiten“ ins Blickfeld anderer Perspektiven rücken. Wie erlebt ein junger Klimaaktivst aus NRW den Polizeiübergriff auf ihn in Berlin-Kreuzberg? Was sagt dem südafrikanischen Klimaaktivisten unsere Selbstkritik am Automobil? Was sagt der jamaikanischen Filmemacherin mit dem Thema Plastikverwertung der taiwanesische Roman über die merkwürdige Auferstehung der Zivilisation aus dem Müllstrudel auf dem Atlantik? Ein Gespräch zwischen globaler Perspektive und lokaler Aktion.

Rafid Kabir/ Deutschland, und allen Anwesenden, Juliane Schumacher/ Berlin, Martin Zähringer/ CCnetwork berlin